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Bücherregal mit Ausleihscheinen und Vertretern in der Bibliothek des DHI Paris
Bücherregal mit Ausleihscheinen und Vertretern in der Bibliothek des DHI Paris

Ausleihzettel und Stellvertreter im Zeitalter von RFID

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Während andernorts die Selbstverbuchung über RFID längst zum Alltag gehört, wären viele kleinere Bibliotheken sicherlich schon froh, sie könnten ihren Nutzern das lästige Ausfüllen von Ausleihzetteln und Stellvertretern von Hand ersparen. Mir ist es jedenfalls immer peinlich, den Lesern unsere Ausleihzettel mit doppeltem Durchschlag hinzulegen, die wir für die Magazinausleihe benutzen. Das wirkt für eine moderne Spezialbibliothek, die wir ja sein wollen und ansonsten natürlich auch sind, etwas rückständig.

Doch gerade bei Ausleihsystemen zeigt sich der für kleinere Bibliotheken oftmals schwierige Umgang mit Softwarelösungen: Fertige Bibliothekssysteme sind zumeist überdimensioniert (und zu teuer) und bieten Funktionalitäten, die gar nicht benötigt werden. Für kleinere und open source-Angebote braucht man wiederum entsprechende Kompetenzen, um die Systeme konfigurieren zu können. Hinzu kommt, dass man zwar den Nutzern die Arbeit erleichtert, dafür aber Geschäftsgänge intern oftmals verkompliziert. Was also tun?

Als Präsenzbibliothek brauchen wir keine Ausleihe im klassischen Sinn, da kein Buch das Haus verlässt. Mahnwesen, Verlängerungen etc. sind überflüssig. Doch da gut zwei Drittel des Bestandes in nicht zugänglichen Magazinen untergebracht ist, haben wir eine rege Magazinausleihe, die es zu steuern gilt. Während die auswärtige Leserschaft dies durch Ausleihzettel angibt, gehen die Forscher/innen des Hauses selbst in die Magazine und machen die Ausleihe der Bücher in ihre Büros durch Stellvertreter kenntlich.

Ein elektronisches Ausleihsystems mit Bestellfunktion über den OPAC würde also beiden Nutzergruppen das händische Ausfüllen von Zetteln ersparen. Das Bibliothekspersonal könnte auch gleich am Rechner sehen, wo das Buch ist und nicht erst im Magazin durch den Stellevertreter entdecken, dass man nun doch in das Büro XY gehen muss. Ein weiterer Vorteil liegt außerdem in der Statistik, die ein Ausleihsystem mit sich bringt und zeigt, welche Bestände in den Lesesaal ausgeliehen werden. Die Einführung des Systems bietet außerdem eine Gelegenheit zur Revision.

Dafür müssen die Bücher dann bei der Ausleihe und Rückgabe verbucht werden. Auch da staunen Leser manchmal, hieß es neulich irgendwo, wie lange so ein Vorgang dauern kann. Die Buchnummer wird eingescannt, der diensthabende Bibliothekar starrt auf seinen Bildschirm, das System hakt… wäre da so ein Ausleihzettel nicht schon längst ausgefüllt?

Und schließlich: das Aufkleben der Etiketten in rund 140.000 Bücher. Die Frage treibt uns um, ob man – wenn man den Aufwand schon betreibt – nicht lieber gleich RFID-fähige Etiketten einklebt. Der Bedarf zur Nutzung der Technologie ist im Moment nicht vorhanden. Selbstverbuchungsstationen für uns überflüssig. Aber vielleicht gibt es dafür zukünftig eine Nutzung?

Gibt es Erfahrungen zur Einführung automatischer Ausleihverbuchung aus anderen kleineren Bibliotheken? Hat sich der Aufwand gelohnt?

Autor: Mareike König

Leiterin der Bibliothek am Deutschen Historischen Institut Paris

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