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Kamishibai

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Kamishibai – schon mal gehört? Also ich hatte noch nie davon gehört, bis ich über einen netbib-Beitrag von Jürgen Plieninger stolperte, der auf einen Zeitungsartikel aufmerksam machte. Die Bücherei-Zentrale Schleswig-Holstein übernahm aus dem asiatischen Kulturkreis eine spannende Bebilderungsmethode, um Kindern mithilfe eines Holzkastens die Bilder einer Geschichte vermitteln zu können. Kennengelernt wurde die Methode von Susanne Brandt in den Niederlanden und fand nun Anhänger in Schleswig-Holstein. Inzwischen wird es wohl rege genutzt, denn bereits 40 verschiedene Bebilderungen liegen bei der Fachstelle bereit und warten auf die Nutzung mit dem Kasperle-Theater-ähnlichen Kasten. Gerne zitiere ich eine Dame der Fachstelle: „Wir waren überrascht und fasziniert, wie die Kinder in der Geschichte versunken sind. So extrem ist das beim Bilderbuchkino nicht.“

Hier noch eine Impression aus einer baskischen Bibliothek (per Klick gibt’s weitere Impressionen):

ixabelmillet05

Apropos Bilderbuchkino, wo bewegen wir uns da hin? Einst für viele Biblitheken eine teure Anschaffung und vielerorts über den Leihverkehr der Fachstellen beansprucht, scheinen sie ein bisschen in der Versenkung verschwunden zu sein. Bezüglich der Dia-Bilderbuchkinos, erscheint das auch nicht weiter verwunderlich, denn in immer mehr Bibliotheken ist eher ein Beamer zur Hand als der alte Dia-Projektor. Gleiches gilt für die Weitergabe an Kindergärten und Schulen.

Aber auf dem Beamer ergeben sich völlig neue Möglichkeiten und schaffen neue Optionen für Verlage und Bibliotheken, denn ein Bilderbuchkino zu erstellen und zu verwenden ist in digitalen Zeiten immer einfacher. So berichtete der Blog Nachrichten für öffentliche Bibliotheken in NRW noch kürzlich von kostenfreien Bilderbuchkinos des Verlags Sauerländer und zeigt damit, dass die Zeiten teurer Lizensierung vorbei sein könnten. Vorreiter ist hier die Verlagsgruppe Oetinger, die schon seit längerer Zeit viele Bilderbuchkinos frei im Netz anbietet. Ein solcher Trend ist meiner Meinung nach äusserst willkommen zu heißen, denn auch Bibliotheken mit knappen Kassen können so auf einfache Weise und ohne großen Aufwand oder hohe Lizenzgebühren Kinderveranstaltungen auf die Beine stellen.

Für das private Kinder-Lese-Vergnügen geht die Verlagsgruppe Oetinger noch einen Schritt weiter und bietet mehrere Bilderbücher als Apps an. Reinschnuppern ist aktuell beim Bilderbuch Kuckuck, da bin ich! noch eine Weile kostenlos möglich und das Konzept überrascht durch innovative Ideen und zeigt, wie es Bilderbücher auf Smartphones schaffen können. Sogar das Vorlesen und interaktive Elemente sind inklusive. Natürlich leidet da die soziale Komponente Vorlesen und die Furchtsamen unter uns sehen schon, wie der/m Kleine/n abends das Smartphone in die Hand gedrückt wird mit den Worten „Siri/Alice liest dir jetzt noch deine Gute-Nacht-Geschichte vor!“ … „Ach ja und vergiss bitte nicht, vorm Schlafen das Ladekabel anzustöpseln, gute Nacht mein Schatz!“.

Vom Kamishibai, über das gute alte Bilderbuchkino, hin zur Bilderbuch-App ist jedenfalls schon eine ordentliche Heterogenität vorhanden und das ist, so denke ich, schon mal sehr erfreulich. Leseförderung sollte möglichst vielfältig sein, um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Ob wir irgendwann virtuelle Bilderbuchkinos mit interaktiven Elementen vorführen, darauf darf man gespannt sein (Übertragung der App auf den Beamer dürfte auch möglich sein). Bis dahin freue ich mich jedenfalls schon auf den nächsten Kindernachmittag, mit Bilderbuchkino oder vielleicht auch einfach mit dem Bilderbuch auf den Knien!?

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