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Bibliothekarische Stimmen. Independent, täglich.

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Ach ja, der plan3t. Als ich vor einigen Monaten gefragt wurde, ob ich an einer neuen Version des Planet Biblioblog mitmachen würde, dachte ich mir: Ganz schön sportlich. An jedem Tag unter der Woche soll jemand aus dem Bibliothekswesen, am Besten direkt aus der Praxis, einen kleinen Beitrag darüber schreiben, was sie oder ihn interessiert. Jeden Tag, mit so vielen Beitragenden, das man selber höchsten alle 30 oder 40 Tage etwas schreiben müsste.

Die Idee dahinter: Mehr Menschen aus der Profession sollen über ihre Erfahrungen berichten, mehr Menschen sollten darüber anfangen ihre eigene Praxis zu reflektieren, es sollten Kommunikationsnetzwerke entstehen.

Yeah, warum nicht? Ich bin gar nicht direkt aus der Bibliothekspraxis, allerdings hatte ich nie damit Probleme, irgendwas zu schreiben, was mich gerade interessiert. Insoweit dachte ich mir, solange ich nichts anderes zu tun habe, als alle paar Wochen einen Text zu schreiben…

Nun aber, seit einigen Monaten gibt es die Stimmen im plan3t. Anfänglich mit vielen Beitragen. Doch jetzt? Was ist passiert? Ein bis zwei Beiträge pro Woche, der mega voll streng geheime Kalender auf dem die Beitragenden sich eintragen können, ist meist leer (und noch nicht mal für die nächsten Wochen angelegt, also hätten die Verantwortlichen auch schon aufgegeben). Die superduper geheime interne Mailingliste wird auch nicht benutzt. Nichts ist gegen die Beiträge zu sagen, die dennoch zustande kommen. Aber das sportliche Ziel ist nicht ansatzweise erreicht.

Das darf so nicht bleiben. Ich denke, wenn mehr Menschen direkt aus der Praxis berichten, über ihre Probleme, Gedanken und Wünsche im Bezug auf Bibliotheken, kann die gesamte Berufspraxis davon profitieren. Ein breiter Diskurs ist die Grundlage für eine professionelle Entwicklung, sowohl des gesamten Berufsstandes als auch persönlich. (Und es gibt viel Material für die Bibliothekswissenschaft, das nur nebenbei. *händereib*)

Ich weiss, dass nicht alle Menschen so nebenher Texte raushauen können wie Ben Kaden, Walther Umstätter, Klaus Graf oder ich (wobei mir bei der Aufzählung auffällt, dass das alles Männer sind.). Aber: Es geht nicht darum, jedesmal drei Seiten zu schreiben, alles abzusichern, einen voll neuen Gedanken zu formulieren. (Dafür haben wir andere Publikationsformen.) Es geht bei den Stimmen hier darum, aufzuschreiben, was eine oder einen gerade im Bezug auf Bibliotheken beschäftigt: Gedanken die man hat, Projekte, die man sich vorstellen könnte, Dinge, die eine oder einen gerade aufregen, Dankesworte, die man gerade loswerden will, Bücher und Texte, die man gerade gelesen hat. Alles das ist interessant, weil: Wenn es ausgesprochen ist, können andere darauf reagieren. Und zumeist tun sie das hier in den Stimmen positiv, zumindest „solidarisch kritisch“. Ich würde alle ermutigen, das einfach mal zu tun.

Selbst, wenn man selber gerade nichts zu sagen hat, kann man sich bei den Kolleginnen und Kollegen umhören und aufschreiben, was die gerade beschäftigt. Wenn es Not tut, kann man nachfragen und irgendwer hier hilft. Und wenn man gerade eine Schreibblockade hat, kann man jemand anders aus dem Kreis der Beitragenden erzählen, was man sagen möchte und kriegt das dann vielleicht gut aufgeschrieben zurück. Da sind tausende Möglichkeiten offen. Wichtig ist, dass die Kommunikation mit dem Start des plan3t breit werden sollte und das wird sie nur, wenn sich mehr Menschen beteiligen. Wenn immer nur die gleichen hier veröffentlichen, können wir das, was wir sagen wollen, auch in unseren eigenen Blogs publizieren.

Mehr als aufrufen, sich an den Stimmen zu beteiligen, kann ich auch nicht. Ich weiss. Ausserdem sind die Möglichkeiten, sich zu beteiligen, auch sehr gut versteckt, fast schon klandestin verhandelt worden. Anyway: Ich nutze den Beitrag mal zum Wistleblowen. Alle, die hier in den Stimmen publizieren, wissen ungefähr, wie sie neue Beitragende für die Stimmen vorschlagen können. Einfach an die wenden. Ausserdem haben Edlef Stabenau, Lambert Heller und Christian Hauschke (noch mehr Männer, WTF?) auf einer etwas versteckten Seite, ganz unten, schon die Verantwortung für die ganze Sache hier übernommen. Die freuen sich bestimmt immer, wenn sie Anfragen und Zusagen ins Mailfach bekommen (okay, erst tun sie so, als hätten sie zuviel zu tun, aber das gehört sich ja so).

Insoweit: Schreibt mehr, dann können wir uns alle mehr untereinander austauschen. Merci.

 

Autor: Karsten Schuldt

Bibliothekswissenschaftler am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft, HTW Chur. Außerdem Redakteur LIBREAS. Pendelt zwischen Hauptort mit Geschichte (Chur), Grossstadt (Berlin) und ähm.... (Zürich).

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