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Informationskompetenz durch Discovery-Systeme?
Informationskompetenz durch Discovery-Systeme?

Verbessern Discovery-Systeme die Informationskompetenz?

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Ich habe gerade den aktuellen Beitrag von Thomas Hapke zur Situation der Thema Informationskompetenz an Universitätsbibliotheken gelesen und mir ein paar Gedanken zum Bereich Discovery gemacht. Diese sind sicherlich noch nicht komplett durchdacht, aber vielleicht laden sie zum Mitdenken ein. Hier meine Fragen, die mir dazu in den Sinn gekommen sind, zumal ich bei mir auf Arbeit in der UB der HSU sowohl an der Einführung eines Discovery-Systems beteiligt bin als auch an einer Neuorientierung unserer Informationskompetenzkurse mitarbeite.

Wie verändert sich durch den Einsatz von Discovery-Systemen Informationskompetenz? Wie abhängig ist Informationskompetenz von den verwendeten Nutzer-Oberflächen? Wie verhindern hinter den Oberflächen liegende Gegebenheiten (Indexierung, grundlegende Datenstruktur und -verknüpfungen, Katalogiserungs-Regelwerke usw. ) ein optimales Recherche-Ergebnis bzw. was muss man an eigentlich unnötiger Informationskompetenz aufbringen, um aus den Systemen das Beste rauszuholen?

Informationskompetenz durch Discovery-Systeme?

  • Verändern Discovery-Systeme überhaupt etwas an der Informationskompetenz oder vereinfachen sie einfach die Usability der Nutzung (Oberfläche)?
  • Ist es nicht eher so, dass allein die Recherchefähigkeiten gefragt sind, die durch Discovery-Systeme besser unterstützt werden?
  • Ist jemand informationskompetent, der erkennt, dass er, wenn er auf einen Punkt in einer Faszette klickt, seine Suchergebnisse verändert, der aber nicht weiß, warum es auf diese Weise passiert und was eigentlich im Hintergrund passiert?
  • Müssen informationskompetenten Nutzer verstehen, wie ihre Suchergebnisse zustande kommen?
  • Gehen durch verschiedene Metadaten- und Austauschformatstandards nicht sinnvolle Zusatzinformationen verloren oder werden wichtige Angaben vermischt?
  • Entsteht Zensur durch vorgefertigte Faszetten?
  • Benötigen wir für gleichgute Ergebnisse wie in unseren OPACs nicht mehr Schritte bei der Recherche?
  • Verführen Discovery-Systeme und ihre Anreicherungsmöglichkeiten zu einem zu viel an („nicht relevanten“) Zusatzinformationen?
  • Überfordern zu viele Auswahlmöglichkeiten (Einschränkungs- und Filtermöglichkeiten) unsere Nutzer?
  • Reicht für eine genaue Informationsrecherche eine „Google-like“-Suche oder kriegen wir dann auch nur „Google-like“-Ergebnisse?

Wir vereinfachen durch Discovery-Systeme sicherlich das Auffinden von Informationen zu einem bestimmten Thema für ausgewählte, qualitativ hochwertigere Literatur. Der Zugang wird verbessert und unsere Nutzer kommen sicherlich mit einem Mindestmaß an Recherchefähigkeiten zu vorzeigbaren Ergebnissen. Damit können wir für bessere Erfolgserlebnisse sorgen. Doch das ist nur ein kleiner Teil von dem, was wir unter Informationskompetenz subsumieren, nämlich gerade mal der Standard 2. Im Grunde können wir mit Discovery-Systemen in IK-Schulungen sicherlich Zeit sparen beim Rechercheteil, der ja in vielen Einrichtungen ketzerisch behauptet (?) einen Großteil der Schulungen ausmacht, aber damit eine Verbesserung der Informationskompetenz per se zu erreichen halte ich nicht für möglich.

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