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Bibliothekarische Stimmen. Independent, täglich.

28. November 2016
von Lise Rebout
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Hartford Public Library

Die Hartford Public Library war die letzte Station meines Besuchs in den USA. Hartford ist die Hauptstadt des Bundesstaates Connecticut und zählt ca. 120.000 Einwohner. Diese sprechen 90 verschiedene Sprachen und die Zahl von Migranten und Flücht...

28. November 2016
von Lise Rebout
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Bericht Hartford Public Library

Die Hartford Public Library war die letzte Station meines Besuchs in den USA. Hartford ist die Hauptstadt des Bundesstaates Connecticut und zählt ca. 120.000 Einwohner. Diese sprechen 90 verschiedene Sprachen und die Zahl von Migranten und Flüchtlingen in Hartford ist außergewöhnlich hoch für die Größe der Stadt. Durch ihre gute Netzwerkarbeit (beispielsweise mit dem Resettlement Center der Catholic Charities) spielt die Hartford Public Library eine große Rolle bei der Integrationsarbeit, die in Hartford sehr erfolgreich vollzogen wird.

Die wichtigsten Serviceangebote für Migranten sind in Hartford die Kurse und Informationen, die im sogenannten The American Place angeboten werden. Durch dieses Programm soll die Integration in die neue Heimat erleichtert werden.

Dabei helfen sollen zum Beispiel:

- Englisch- und Einbürgerungskurse
- eLearning-Plätze
- Sprechstunden mit Anwälten im Zuge der Einbürgerung
- Internetplätze
- Informationsmaterial zu Veranstaltungen und Hilfsangeboten in der Nachbarschaft

Zusätzlich gibt es direkt im Eingangsbereich der Bibliothek das Job and Career Center, tatsächlich eine eigene Dependance der Arbeitsagentur, die dort neben Beratungen auch eigene PCs zur Jobsuche bereitstellt.

Auch jugendlichen Einwanderern kann die Bibliothek helfen: Derzeit läuft in Zusammenarbeit mit örtlichen Schulen ein Projekt, bei dem 16-jährigen Neuankömmlingen in der Bibliothek Englischkurse und Nachhilfe gegeben werden. Die Schüler werden von der Schule ausgewählt, sie erhalten 250 Dollar und können an weiteren Nachmittagsaktivitäten teilnehmen. Ziel ist es, die Jugendlichen für einen erfolgreichen Collegebesuch vorzubereiten.

In meinem Gespräch mit Homa Naficy, zuständige Koordinatorin für Erwachsenenbildung, fiel mir auf, dass viele Projekte nur durch Fördermittel und Stiftungen aufgebaut werden können. Neben dem Institute of Museum and Library Services können Gelder zum Beispiel beim Citizenship and Integration Grant-Program der Regierung beantragt werden. Von letzerem werden Projekte finanziert, die auf dem Weg zur Einbürgerung unterstützen.

Ein Beispiel ist die Initiative We Belong Here. Dahinter steckte die Idee, eine Vertrauensbasis zwischen Migranten und der aufnehmenden Gesellschaft aufzubauen und das gemeinsame Engagement für die Kommune zu fördern.

Die Initiative We Belong Here enthält die folgenden Bausteine:

- Ein Ehrenamtsprogramm Cultural Navigators, bei dem Mentoren 3 Monate lang einzelnen Migranten oder Familien helfen, besonders im Bereich der kulturellen Anpassung. Die ersten Treffen findet immer in der Bibliothek statt.
- Die Vernetzung von Interessensvertretern in einer regelmäßig tagenden Beratergruppe zu Themen der Einwanderung.
- Einladung von Migranten und Bürgern zu Nachbarschafts-Dialogen, bei denen über Themen diskutiert wird, die die ganze Gemeinde interessieren. Besonders auf Stadtteilebene verliefen diese Workshops sehr erfolgreich, da gemeinsame Aktionen erarbeitet werden.
- Filmvorführungen und Literaturkreise zu Fluchterfahrungen, um Sensibilität für das Thema zu wecken. Dies geschieht zum Beispiel am 20. Juni, dem Weltflüchtlingstag.

Dieses Modellprojekt wurde in einem Toolkit (PDF) zusammengefasst, damit auch andere Bibliotheken von den Erfahrungen profitieren können.

Die Hartford Public Library hat mir gezeigt, dass auch Bibliotheken, die nicht dieselben personellen und strukturellen Voraussetzungen wie die Bibliotheken in New York haben, durch findige Projektideen Fördermittel einwerben können und durch gute Netzwerkarbeit in der Nachbarschaft nachhaltige Integrationsarbeit leisten.

4. November 2016
von Lise Rebout
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Podiumsdiskussion „Newcomers Welcome!“

Zum Abschluss meines Aufenthalts in New York gab es eine kleine Premiere: In der Bibliothek des Goethe Instituts fand eine Podiumsdiskussion mit amerikanischen Experten zu dem Thema der diesjährigen Residenz statt, in diesem Fall mit Fred Gitner v...

4. November 2016
von Lise Rebout
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Podiumsdiskussion „Newcomers Welcome!“

Sonia Lin, Fred Gitner, Inka JessenZum Abschluss meines Aufenthalts in New York gab es eine kleine Premiere: In der Bibliothek des Goethe Instituts fand eine Podiumsdiskussion mit amerikanischen Experten zu dem Thema der diesjährigen Residenz statt, in diesem Fall mit Fred Gitner vom New Americans Program der Queens Library und mit Sonia Lin, Beauftragte des Bürgermeisters für Migrationsangelegenheiten.

Nach einem einführenden Vortrag über die Angebote für Flüchtlinge in der Stadtbibliothek Stuttgart diskutierten wir über die Herausforderungen, Angebote für Flüchtlinge und Migranten bereitzustellen, hinterfragten die Funktion von Bibliotheken im Kontext öffentlicher Dienstleistungen für Neuankömmlinge und zeigen die Unterschiede in der deutschen und amerikanischen Praxis auf. Ein schöner Abend, bei dem sich auch nach der Diskussion auf der Bühne interessante Gespräche mit dem Publikum ergaben.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann im Youtube-Kanal des Goethe Instituts New York angesehen werden:

https://youtu.be/9WW7GuXH5jA

25. Oktober 2016
von Lise Rebout
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New York Public Library

Rose Main Reading Room
Die 1895 gegründete New York Public Library ist mit 51 Mio Medien, 88 Standorten und vier Forschungsbibliotheken das größte Bibliothekssystem der USA. Die bekannteste Bibliothek in New York ist wohl das Stephen A. Schwarzman Building auf der 5th Avenue, mit dem Schwerpunkt der Geistes- und Sozialwissenschaften und dem großen Rose Main Reading Room. Direkt gegenüber liegt die eigentliche Zentralbibliothek, die Mid-Manhattan Library. Dort konnte ich mit der Outreach-Managerin Adriana Blancarte-Hayward über Bibliotheksangebote für Migranten sprechen.

Ausstellung zum fremdsprachigen Bestand
Interessant ist, dass die New York Public Library schon seit ihrer Gründung fremdsprachige Bücher für die ethnisch diverse New Yorker Bevölkerung bereitgestellt hat, und schon damals je nach Stadtteil mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Darauf weist die Bibliothek auch in einer Ausstellung im Stephen A. Schwarzman Building hin, indem eine viermalige Veränderung im Bibliotheksregal dargestellt ist, je nachdem, welche Welle von Einwanderern gerade sesshaft wurde. Heutzutage heißt die Bibliothek mit Literatur in 65 verschiedenen Sprachen Neubürger in der New Yorker Gesellschaft willkommen.

Medienausstellung zum Hispanic Heritage Month
Welche Services gibt es außerdem für New Americans?

– Englisch-Kurse und Konversationsgruppen
– IT-Kurse
– Vorträge zu Finanzthemen
– Hilfe bei der Jobsuche
– Karrierecoachings
– Hilfe beim Aufbau von Kleinunternehmen
– Onlineangebote zur Testvorbereitung, E-Books über die amerikanische Geschichte, eLearning-Kurse zu 60 Sprachen, PressDisplay
– New Americans Corners (diese sind seit 2015 in jeder New Yorker Bibliothek zu finden)
– NYCitizenship: Einbürgerungs- und Finanzberatung durch einen Anwalt, auf Englisch und Spanisch
– Vorbereitungskurse für den Einbürgerungstest
– Bürgerservices: Ausstellung von IDNYC-Karten, „Single Stop“-Beratungsbüro zu staatlichen Unterstützungsangeboten z.B. bei Arbeitslosigkeit, Linkliste für ehemalige Häftlinge
– Interkulturelle Arbeit: Fremdsprachige Vorlesestunden, internationale Musik- und Kulturveranstaltungen, Hausaufgabenhilfe, Ausstellungen

New Women New Yorkers
Diese Vielzahl von Angeboten wird noch durch zahlreiche Projekte von Kooperationspartnern ergänzt, die in der Bibliothek stattfinden. Dazu zählt zum Beispiel die Organisation New Women New Yorkers (NWNY), die Jobvorbereitungs-Workshops für junge Migrantinnen von 18 bis 35 Jahren anbietet. Themen sind u.a. Bewerbungsschreiben, die amerikanische Arbeitskultur, Netzwerken, Sprechen vor Publikum und Teamarbeit. Dabei geht es auch um Dinge, die uns vielleicht selbstverständlich erscheinen, für Frauen aus bestimmten Herkunftsländern jedoch Neuland sind.

25. Oktober 2016
von Lise Rebout
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New York Public Library

Rose Main Reading RoomDie 1895 gegründete New York Public Library ist mit 51 Mio Medien, 88 Standorten und vier Forschungsbibliotheken das größte Bibliothekssystem der USA. Die bekannteste Bibliothek in New York ist wohl das Stephen A. Schwarzman ...

24. Oktober 2016
von Lise Rebout
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Brooklyn Public Library – Adult Learning Centers

Bestand Adult Learning Center
Auch in Brooklyn finden die Kurse der Erwachsenenbildung in speziellen Adult Learning Centers statt, die es an 5 verschiedenen Standorten gibt. Das Learning Center in der Zentralbibliothek besteht aus Kursräumen, Computerräumen und einem großen Medienbereich, in dem nicht nur Kursmaterial zum Englischlernen bereitsteht, sondern auch Sachbücher, Romane, DVDs und Hörbücher, die speziell für die Kursteilnehmer gedacht sind. Mich hat beeindruckt, in welch großer Bandbreite die Themen angelegt sind: Es gibt u.a. Kurse zur Alphabetisierung, Jobvorbereitung, Financial Literacy, IT-Wissen für die Arbeitswelt und Pre-Highschool-Kurse. Interessant fand ich, dass in den Adult Learning Centers auch Recherchetrainings zum Umgang mit den Katalogen der Bibliothek stattinden. So wird eine Brücke zur Kernaufgabe der Bibliothek geschlagen und ich sehe darin eine wichtige Ergänzung zum Kursangebot.

Kerwin Pilgrim
Kerwin Pilgrim, der Leiter der Adult Learning Literacy-Services, hat mir außerdem von einem Projekt berichtet, das besonders für junge Migranten gedacht sind: Das Young Adult Literacy Program ist ein Angebot für Schulabbrecher und Jugendliche, die im Heimatland keine Schule besuchen konnten. Ziel ist die Vorbereitung auf die Lernumgebung in einer Highschool. Das Programm beginnt ab der 5. Klasse und die Jugendlichen werden durch spezielle Geschenkkarten und einem kostenlosen U-Bahnticket zur Teilnahme motiviert. Begleitend werden Beratungen zur Wohnungssuche, Finanzwissen und Ernährung angeboten. Die Jugendlichen können außerdem Praktika in der Brooklyn Public Library durchführen, wodurch wiederum bilinguales Personal rekrutiert werden kann.

Bewerbungshilfe für Jugendliche
Es werden aber nicht nur Praktika für Migrantische Jugendliche angeboten: Im Business & Career Center helfen zudem speziell ausgebildete Bibliothekare in Beratungsgesprächen, wie der Medienbestand der Bibliothek bei der Berufswahl, Ausbildung und Bewerbung unterstützen kann. Außerdem wird Hilfe bei der Erstellung der eigenen Bewerbungsmappe geleistet.

Collage eines Alphabetisierungskurs Schülers
Das Thema Alphabetisierung ist ein großer Schwerpunkt der Adult Learning Centers von Brooklyn. Ein schönes Produkt dieser Literacy Classes ist das eigens angefertigte Buch New Expressions, in dem Kurzgeschichten, Gedichte und Collagen von Kursteilnehmern veröffentlicht sind, sowie Statements über die Arbeit der Learning Centers. Man kann sich gut vorstellen, welche Wertschätzung die Veröffentlichung eines eigenen Buches für Menschen bedeutet, die zuvor weder lesen noch schreiben konnten.

24. Oktober 2016
von Lise Rebout
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Brooklyn Public Library – Adult Learning Centers

Bestand Adult Learning CenterAuch in Brooklyn finden die Kurse der Erwachsenenbildung in speziellen Adult Learning Centers statt, die es an 5 verschiedenen Standorten gibt. Das Learning Center in der Zentralbibliothek besteht aus Kursräumen, Compu...

19. Oktober 2016
von Lise Rebout
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Brooklyn Public Library – Outreach Services

Zentralbibliothek der Brooklyn Public Library
Die Brooklyn Public Library ist mit ihren 60 Zweigstellen und über 3 Mio Medien in mehr als 30 verschiedenen Sprachen das fünftgrößte Bibliothekssystem der USA. 2016 wurde die Bibliothek mit der National Medal des Institute of Museum and Library Services ausgezeichnet und diese Ehrung erhielt sie im Besonderen für ihre soziale Bibliotheksarbeit. Die Abteilung dieser Outreach Services organisiert u.a. Kreativworkshops für Ältere, die auch online von zuhause aus besucht werden können, Erzählprojekt für Veteranen, Medienbringdienste und die Citizenship Classes. Letztere werden an 5 verschiedenen Standorten durch ein 2- jähriges Förderprojekt des Departement of Homeland Security kostenlos angeboten. Hier werden Einbürgerungswillige 11 Wochen lang auf den Einbürgerungstest vorbereitet, indem nicht nur Englisch trainiert wird, sondern auch die Themen des Tests und das Interview selbst. Die Kursteilnahme ist allerdings nur mit Anmeldung und für Personen mit vorhandener Greencard möglich.

New Americans Corner
Neben den Citizenship Classes gibt es aber noch eine weiteres Angebot: Die sogenannten Citizenship Prep Conversation Groups, die an 11 Standorten stattfinden. Dieses Programm wurde 2013 ins Leben gerufen, um mit einem niedrigeren Sprachniveau und ohne Anmeldungshürden auf die Einbürgerung vorzubereiten. Obwohl es sich um kein Förderprojekt handelt, sind auch die Prep-Kurse kostenlos, denn hier arbeiten zahlreiche Ehrenamtliche als Gruppenleiter. In der Brooklyn Public Library unterstützen ca. 2.000 Ehrenamtliche in den unterschiedlichsten Projekten die Arbeit der Bibliothek. Dies beinhaltet z.B. die Hilfe bei Bewerbungen, Hausaufgabenhilfe, Computerchoachings und oder Vorlesen in Kinderkliniken. Der Großteil engagiert sich jedoch in Englisch- und Alphabetisierungsgruppen für New Americans. Dadurch können Konversationsgruppen in insgesamt 32 Zweigstellen angeboten werden, die jeweils 1,5 bis 2 Stunden am Nachmittag stattfinden. Wie in Queens wird auch in Brooklyn ein großer Wert auf qualifizierte Mitarbeiter gelegt. Deshalb muss jeder interessierte Ehrenamtliche, ein ausführliches Bewerbungsformular ausfüllen, ein Interview mit der Abteilung für Ehrenamtliche führen und entsprechende Fortbildungen besuchen.

Willkommens-Broschüre
Auf alle Fragen, die von Migranten z.B. in den Prep-Kursen gestellt werden, kann man aber nicht durch eine Fortbildung vorbereitet werden. Deshalb gibt es in der Zentralbibliothek von Brooklyn an verschiedenen Stellen verteilte New Americans Corners, in denen Informationsmaterial für Neuankömmlinge ausliegt und auf die man verweisen kann. Vor allem das Handbuch der Regierung Welcome to the United States – A Guide for New Immigrants, erscheint mir sehr hilfreich auch für ehrenamtliche Aktive zu sein. Dort wird übrigens schon auf Seite 2 unter der Überschrift Where to get Help die Öffentliche Bibliothek angegeben...

19. Oktober 2016
von Lise Rebout
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Brooklyn Public Library – Outreach Services

Zentralbibliothek der Brooklyn Public LibraryDie Brooklyn Public Library ist mit ihren 60 Zweigstellen und über 3 Mio Medien in mehr als 30 verschiedenen Sprachen das fünftgrößte Bibliothekssystem der USA. 2016 wurde die Bibliothek mit der Nationa...