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Bibliothekarische Stimmen. Independent, täglich.

Buchsuche mit Schwellenangst

Sagen wir mal, Jemand hört von einem, der als „Vater der deutschen Sozialdemokratie“ und als „einer der Gründer des internationalen Sozialismus und Vorbote des Staates Israel“ bezeichnet wird. Der ein zukunftsweisendes Werk über die friedliche Vereinigung der europäischen Völker auf Grundlage der politischen und sozialen Gleichberechtigung aller Menschen geschrieben habe, als von einer EU noch lange nicht die Rede war; der für eine Philosophie der Tat eingetreten sei und als erster in Deutschland den aus Frankreich kommenden frühen Communismus propagiert habe. Mit erheblichen Auswirkungen auf Friedrich Engels und Karl Marx. Wenn der

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Jemand sich nun über diesen als gutmütigen und freundlichen Menschen Beschriebenen, der sein Leben lang aktiv für die Emanzipation der arbeitenden Menschen eingetreten sei, informieren und auch einige Schriften von ihm lesen möchte, dann bieten sich Bibliotheken und Büchereien geradezu an. Unter der realistischen Annahme, dass es unter Nichtakademikern, wie dem Jemand, eine größere Hemmschwelle zur Benutzung Wissenschaftlicher Bibliotheken als zu Öffentlichen Büchereien/Bibliotheken gibt, dann sind diese letzteren die Anlaufstelle der Wahl. Was ergibt also eine Opac-Abfrage nach Moses Hess, denn um ihn handelt es sich, wie wohl bereits alle wissen, die obige Zeilen gelesen haben, und der morgen seinen 200. Geburtstag hat? Wenn man von Sammelbänden wie Klassiker des Sozialismus oder Werken zu Einzelthematiken wie Geschichte der Juden in Deutschland absieht, dann zeigt sich folgende Verfügbarkeit von Schriften dieses Autors bzw. von Sekundärliteratur: In Österreich gibt es die Bücherei Annaberg-Lungötz im Salzburger Land, welche etwas hat, nämlich Bruno Frei, Im Schatten von Karl Marx. So, das war Österreich. Deutschland, die größeren Städte. Im Außenmagazin der Berliner Amerika-Gedenkbibliothek stehen gut 20 Werke von und über Moses Hess, in der Zentralbibliothek von München neun, in der Kölner Stadtbibliothek sechs und in Stuttgart ein Werk – allesamt Magazinbestand. Düsseldorf, Dresden und Bonn, die Geburtsstadt von Moses Hess, haben in ihren Öffentlichen Bibliotheken nichts dergleichen. Bonn hat auch, wenn der Stadtplan mir richtig Auskunft gibt, keine Straße nach ihrem großen Sohn benannt, obwohl es im Herbst eine diesbezügliche Initiative gegeben haben dürfte. Beim Googeln auf der Bonner Stadt-Website findet sich aber ein Link, aus dem man erfährt, dass Moses Hess der Neffe von Frau Zuntz, der Besitzerin einer der größten Kaffeeröstereien Deutschlands gewesen sei. Vergleichbares erfährt man in Köln, wo Moses Hess immer wieder lebte und wo er die für die Marxsche Hagiographie unverzichtbare Rheinische Zeitung mit ins Leben rief, nicht. Dafür ist dort eine Straße nach ihm benannt und eine Skulptur auf dem Kölner Rathausturm zu sehen. Im Buchhandel.de und in Amazon gibt es ein bisschen was antiquarisch, sowie Reprints der Erstfassungen. Direkt lieferbar ist ein einziger Titel: Happe-Nolden, Barbara: Moses Hess. Der „wahre Sozialismus“ als Philosophie der Tat. Google Books bietet einige downloadbare bzw. online lesbare Faksimiles der Original oder Frühfassungen – womit dieser oben genannte, vor wissenschaftlichen Bibliotheken zurückscheuende, Jemand nun doch die Möglichkeit hat, einige Werke von Moses Hess zu lesen. Auch wenn die Verlage, die ja für unser kulturelles Erbe unverzichtbar sind, so was nicht so gerne sehen. Neben dem Frühwerk Die heilige Geschichte der Menschheit, in welcher eine

eschatologische Geschichtstheorie entworfen wird, die ihre Erfüllung in der diesseitigen Gütergemeinschaft findet, ist Die europäische Triarchie verfügbar, von der oben die Rede war und neben Rom und Jerusalem, der Begründung eines sozialistischen Zionismus Jahrzehnte vor Herzl, sind auch die drei Aufsätze in den Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz zu haben, von denen Marx schrieb, dass sie neben Engels‘ Umrisse einer Kritik der Nationalökonomie die einzig inhaltsvollen und originalen deutschen Arbeiten zum Sozialismus seien. Später allerdings wurde Moses Hess von Marx und Engels ziemlich übel behandelt und literarisch zu vernichten versucht, was insofern wirksam war, als dies immer wieder lange Perioden des Verschweigen und Vergessens dieses bedeutenden deutschen Revolutionärs und sozialistischen Theoretikers nach sich zog. Eine solche Periode dürfte jetzt wieder sein, und wie ich befürchte, mit Open End. Da mich das ärgerte und ich es unwürdig finde, dass offenbar im deutschsprachigen Raum der 200. Geburtstag von Moses Hess sang- und klanglos vorbei geht, habe ich <self-promotion on> eine Website erstellt, auf der vorerst neben den Lebensdaten in tabellarischer Form, vor allem die kleineren, in verschiedenen Zeitschriften verstreuten Aufsätze online gestellt wurden, sowie Links auf Quellen und eine Auflistung von Sekundärliteratur. Geplant ist weiters u.a. eine Dokumentation der Beziehung zu Marx und Engels sowie zu anderen Zeitgenossen und Mitkämpfern.<self-promotion off> Auf dass irgendwann, wenn wieder ein Jemand mit Schwellenangst gegenüber Wissenschaftlichen Bibliotheken sich fragt, was denn dieser Moses Hess eigentlich so getrieben habe, eine rasche und möglichst anregende Antwort gefunden werde.

Autor: Wolfgang Kauders

Bibliothekar in den Wiener Büchereien, Personal- und Gewerkschaftsvertreter ebenda und -- alles in Ruhe seit Herbst 2010

2 Kommentare

  1. Lieber Herr Kauders,

    Ja, Sie liegen richtig. Um Moses Hess ist es unverdientermaßen sehr, sehr ruhig geworden. Offensichtlich sitzt Hess zwischen allen Stühlen: Den einen ist er zu kommunistisch/sozialistisch und den anderen zu zionistisch. Es gibt in Israel noch Nachkommen – über die Linie Zuntz. Aber diese Verwandten sollen ein „ambivalentes“ Verhältnis zu ihrem großen und bedeutenden Vorfahren haben. Herzl soll sinngemäß gesagt haben: Hätte ich >Rom und JerusalemDer Judenstaat< nicht geschrieben. Das Bonner Stadtarchiv – Dr. Norber Schlossmacher – verwahrt die Original Geburtsurkunde von Moses Hess und wird in 2012 das Buch von Prof. Dr. Horst Lademacher, Emeritus, : Moses Hess in seiner Zeit, Bonn 1977, neu editieren und im Rahmen einer Festveranstaltung mit Prof. Lademacher unter der Schirmherrschaft von OB Jürgen Nimptsch vorstellen. Man kann mit einiger Berechtigung sagen: Ein Bonner ist der Begründer des Staates Israel.

    Beste Grüße aus Bonn

    Wolfgang H. Deuling

    • Lieber Herr Deuling,
      um an den letzten Satz anzuknüpfen, angesichts der Aktivitäten von Moses Hess nach der Fertigstellung von „Rom und Jerusalem“, wie sie gerade bei Lademacher gut dokumentiert sind, kann da nur zugestimmt werden! Und es ist toll, dass Lademachers Werk neu aufgelegt wird, weil es trotz seiner relativen Kürze eines der ergiebigsten für die Auseinandersetzung mit Moses Hess ist.
      Dass Hess sich mehr oder weniger zwischen allen Stühlen sich wiederfand, hat seiner Rezeption in neuerer Zeit sicherlich nicht gut getan. Insbesondere das Nicht-Bestehen vor dem hohen Marx-Engels-Stuhl.
      Was ihm als Schwäche ausgelegt wurde, die von seinem ersten Werk an unabgeleitete, also unvermittelte Parteinahme für die Schwächsten der Gesellschaft, würde ich heute als seine Stärke ansehen.I
      Mit den besten Grüßen und herzlichen Dank für Ihre Informationen!
      Wolfgang Kauders