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Be-fragen, nicht um-fragen…

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Umgefragt. Was nun? Na, wieder aufheben, sich entschuldigen. Das nächste mal lieber nur ganz vorsichtig befragen; wir wollen doch unseren Probanden nicht zum Patienten machen. Und nicht länger als 10 Minuten… keine Zeit, andere Prioritäten, schwebende Aufmerksamkeit ins Hier und Da. Was und in welchem Umfang Befragten etwas zugemutet kann, ist ein langes Kapitel mit großem Einfluss auf Rücklaufquoten und Image für den Befrager. Für welche Methode der Befragung man sich entscheidet ebenso. Ich gehe an der Stelle einfach davon aus, dass Bibliotheken egal welcher Couleur die Meinung ihrer Benutzer regelmäßig einholen, um bestehende oder neue Angebote zu bewerten und (um)zugestalten… Über Relevanz brauchen wir also hoffentlich nicht zu reden.

Gut, also, Befragung? Wollen wir, machen wir. Wir haben uns für den Weg der Online-Befragung entschieden: streut weit (zumindest potentiell…), verhältnismäßig weniger Aufwand (zumindest für uns…). Also wie weiter?

LimeSurvey, ehemals PHPSurveyor und immer noch unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, kenne ich noch aus meiner Diplomphase. Gut, so lange her ist das auch nicht, zeigt aber dass das Tool recht schnell erlernbar ist; selbst unter dem Zeitdruck einer Diplomarbeit…

Hat man die Hürde der Serverinstallation überwunden, kann es auch schon recht schnell losgehen. Als Admin habe ich Gewalt über alle Befragungen, die auf meiner Installation laufen; hat man nun mehrere Kollegen oder andere Teams, die ebenfalls ihre eigenen Befragungen über die selbe Installation laufen lassen wollen, kann ich das ähnlich wie bei WordPress als Admin verschiedene Benutzergruppen mit unterschiedlichen Berechtigungen festlegen.

Bild klicken zum Vergrößern...Das Handling des Programms ist intuitiv dank der übersichtlichen, logischen Arbeitsoberfläche mit vielen schlüssigen Icons. Es ist alles dort wo ich es erwarte. Komme ich an einer Stelle dann doch mal nicht weiter, hilft die lebhafte Community: Das gesamte Programm ist im Wiki sehr gut dokumentiert und es gibt Foren für spezielle Fragen. Davon hatte ich dann auch mal Gebrauch gemacht prompt eine freundliche und kompetente Antwort erhalten. Solche Dokumentationen sind natürlich auch gut geeignet um vorab zu prüfen, ob die Software überhaupt meinen Anforderungen gerecht wird und bestimmte Einstellungen oder Fragetypen überhaupt möglich sind…

Übrigens auch immer ein Zeichen für florierende Open-Source-Unterfangen: Es vergehen kaum zwei Monate dass nicht eine neue LimeSurvey-Version mit frischen Komfortabilitäten, neuen Features und Bugfixes hereinschneit.

Die Frage-/Antworttypen bei LimeSurvey reichen von den „Klassikern“ (Multiple Choice-Kästchen oder Einfachauswahl-Button, Dropdown-Auswahl einfach oder mehrfach, offene Fragen…) bishin zu Abfragen, die auf bereits bestehende Datensammlungen der Social Media-Sphäre zugreifen. Neu ist beispielsweise seit LimeSurvey 1.91+ die Google Maps API. Die Befragungsteilnehmer sehen eine Karte und können auf einen Standort klicken. Das speichert die GPS-Koordinaten in das Textfeld. Selber hab ich das noch nicht ausprobiert, aber es braucht nicht viel Fantasie, eine ortsgebundene Frage auch mal im Bibliotheksumfeld einzusetzen…

Und warum sollte eine Befragungsteilnahme nicht auch dem Probanden Spaß machen? Schieberegler, APIs, Rankings… alles probandenfreundlicher als ellenlange Scroll-Matrizes, Zeile für Zeile mit einer vorweggenommenen Meinung à la “ wo ich dann . Gähn… Kreuzel rechts oben…

Mit ein paar wenigen Kniffen lassen sich die Templates anpassen, sodass die Befragung dann im Corporate Design des Befragers erstrahlt. Oder man bindet zumindest das Bibliothekslogo ein in ein helles, freundliches Template…

LimeSurvey bietet auch umfangreiche Auswertungsmöglichkeiten: Zum Beispiel direkten Einblick in die Befragungsergebnisse über das Backend oder Export aller einzelnen Antworten in Excel/Calc als .xls-Datei, als .csv-Datei oder für SPSS/PASW…

Da es sich hierbei um eine Open-Source-Software handelt, ist die Installation auf einem Server notwendig.  Es gibt auch eine webbasierte Bezahlvariante, die sich dann LimeService nennt. Die Registrierung ist kostenlos, aber spätestens wenn sich ein Proband entschließt, eine Antwort abzusenden, wird der „Befrager“ zur Kasse gebeten… übrigens pro Antwort…! Es lohnt also doch, der EDV-Abteilung hin und wieder auf den Senkel zu gehen und sich die Open-Source-Variante auf den Server zu stellen…

In meiner Bibliothek übrigens, der Stadtbibliothek Chemnitz, kam LimeSurvey innerhalb eines Jahres bereits mehrfach zum Einsatz: Es begann mit einer Befragung zur Nutzung unserer digitalen Bibliothek. Später im Jahr haben wir bibliotheksintern (über 60 Mitarbeiter) nach einem neuen Spruch für unsere Tragetaschen gesucht; LimeSurvey wurde hier zur Präsentation der Vorschläge und als Abstimmungstool genutzt. Vor wenigen Wochen erst fragten wir unsere Kunden ob und unter welchen Konditionen sie sich eine Ausleihe von eBook-Readern vorstellen können. Die Ergebnisse werden direkten Einfluss auf die Gestaltung des kommenden Angebotes haben.

Unterdessen sind auch andere Kollegen im städtischen Eigenbetrieb DAStietz neugierig geworden und seit jüngstem nutzt die Volkshochschule Chemnitz das Tool für eine Befragung zur Verbesserung der eigenen Homepage. Vielleicht fühlt sich ja jemand zur Teinahme berufen? –> http://umfrage.vhs-chemnitz.de Vorsicht, dort wird man allerdings „umgefragt“… ;)

Wer neugierig geworden ist, kann mal an einer Beispiel-Befragung teilnehmen und was noch viel interessanter ist: den Administrationsbereich selbst ausgiebig testen:

www.limesurvey.org/de/demo

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